Vom Wahn und Sinn

Age of the Controller

Episode Summary

Age of Controlling; Bürokratische Schulden; Warum am Ende nie jemand schuld ist und der Weltfrieden nur 120 einfache Schritte entfernt.

Episode Notes

Age of Controlling; Bürokratische Schulden; Warum am Ende nie jemand schuld ist und der Weltfrieden nur 120 einfache Schritte entfernt. 

Chris erinnert sich, dass da noch ein Thema aus der letzten Folge offen war: das „Age of Controlling". Immer mehr Formulare, Vorentscheidungen, Nutzungsbedingungen, und bloß die richtige Reihenfolge einhalten. Dabei findet Alex Bürokratie im Prinzip gut, denn sie macht dich unabhängig vom Gusto deines Gegenübers. Das Problem beginnt woanders: bei Entscheidungen, die nicht auf die Sicherheit der Sache optimiert sind, sondern auf die Sicherheit der Entscheidung. Kommt hinterher Grütze raus, zeigst du eben auf den Prozess.

Chris erzählt von einer maroden Brücke im Ruhrpott, an der 50 Organisationen mitentscheiden dürfen, und von dem Politiker, dessen Lösung eine 51. Behörde ist. Es geht um bürokratische Schulden ganz im Sinne technischer Schulden, um den Stempel, der nicht kommt, weil jemand krank ist, und um die Frage, ob am Ende niemand schuld ist oder ob genau das der Sinn der Sache war.

Chris hat sich vorbereitet (was Alex ehrlich überrascht) und Hannah Arendt mitgebracht: „In einer voll entwickelten Bürokratie bleibt schließlich niemand übrig, mit dem man diskutieren, dem man Klagen vortragen, auf dem man Macht ausüben könnte." Alex widerspricht der Ursächlichkeit. Nicht Regeln machen ungerecht, sondern ihre ungleiche Anwendung. Trotzdem: Wer jemanden blockieren will, braucht keine Opposition, nur einen ausreichend komplizierten Käfig. Meistens reicht aber Inkompetenz, wo man Boshaftigkeit vermutet.

Das Verwaltungsgericht als Chris' Lieblingsinstitution, ein runder Tisch, an dem Monate zu einer Stunde werden, getrennte Warm- und Kaltwasserhähne in England und eine Bohrfliege, deren Bekämpfung jemand für Unsinn hielt. Ein paar gesparte Millionen, ein exponentielles Problem zurück.

Die Frage nach der Alternative heben wir uns auf. Bis dahin gründen wir die Bürgerkratie: Jeder bekommt seine eigene Behörde, Politiker füllen erst das Formular „Wir wollen Ihre Stimme" aus, und der Weltfrieden ist nur noch Formular WF 23 entfernt. Fair muss es ja sein.

 

In der Folge erwähnt: