Sieben Hüte, drei Bälle; Vom Müssen zum Möchten und der kleinen Kartoffel in uns.
Sieben Hüte, drei Bälle; Vom Müssen zum Möchten und der kleinen Kartoffel in uns.
Chris‘ Kopf ist im Tumult. Er trägt gerade sechs, sieben Hüte gleichzeitig: Unternehmer, Papa, Partner, Häusle-Renovierer, Designer, Projektverantwortlicher. Jonglieren gelernt hat er mal, aber mit drei Bällen, nicht mit sieben Hüten. Eigentlich, so Chris, ist er kein Planer, sondern jemand, der surft: immer im Moment, wenig an gestern und morgen gebunden. Und trotzdem: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert" – Hannibal, A-Team, Zigarre im Mund (bei Chris ist es der Tee). Aber was heißt eigentlich „in Control sein", wenn kein Tool den ewigen Kontextwechsel abnehmen will?
Alex kontert mit einem fast kalenderspruchmäßigen Gedanken: Der Weg zu etwas lässt einen oft genau das Gegenteil fühlen: Wer stark werden will, muss durch die Schwäche. Und dann ist da noch der unbequeme Faktor: Vielleicht wird man einfach älter. Fantasy-Helden mit 17 gegen die 40-jährige Heldin, die sich erstmal stöhnend hinsetzt, die Brille aufsetzt und ein Mittagsschläfchen macht. Es geht um Selbstwirksamkeit und Freiheit, um kulturelle Prägung gegen die eigene Natur. Was wäre in einer nicht-chronologischen Gesellschaft, wo man vorbeikommt, wenn man vorbeikommt, heute nicht, dann morgen? Chris ist überzeugt, da ginge es ihm besser.
Alex arbeitet sich an Chris' „ich muss" ab. Du musst nicht pünktlich zu deiner Tochter kommen. Du möchtest es. Du musst nicht gut für deine Familie kochen. Du wählst es. Das Universum zwingt zu gar nichts. Diese Umdeutung nimmt nicht die Verantwortung weg, aber sie verwandelt das passive „die Welt macht das mit mir" in eine aktive Wahl, auf die man sogar stolz sein darf.
Helikopter-Eltern und ihr Gegenteil, Fünfjährige mit echter Cooking Station, gruselige Frischluft-Babykörbe aus amerikanischen Fenstern und der Peter, der auf der Kirmes zwei Minuten verschwindet, in denen Chris tausend Tode stirbt. Und die ehrliche Erkenntnis, dass „alles erledigt, aber nichts erlebt" abends nur eine leere Energiekasse übriglässt.
Leben wir im „Age of the Controller", gewinnen wir ein Spiel, indem wir messbare Werte verbessern, die uns gar nicht zum eigentlichen Ziel bringen? Aber das ist ein Thema für eine andere Folge. Wenn Chris es bis dahin nicht vergisst. Und wenn doch, ist das auch okay.
In der Folge erwähnt: