Vom Wahn und Sinn

Narben des Helden

Episode Summary

Sich einlassen können; Warum der Bösewicht eine Geschichte braucht und sieht der mich eigentlich?

Episode Notes

Sich einlassen können; Warum der Bösewicht eine Geschichte braucht und sieht der mich eigentlich? 

Chris gesteht: Beruflich ist er „hypercritical“, privat kann er Dinge einfach so hinnehmen, wie sie sind. Bei Serien braucht er meistens drei Folgen, bis er sich auf die Welt einlässt. Alex glaubt nicht, dass Chris dabei seinen Anspruch senkt. Er findet vielmehr das, was es trotzdem spannend macht, so wie bei Doctor Who, dessen Monster man am besten wie ein Theaterstück betrachtet.

Was ist schlimmer, schlechtes CGI oder hölzerne Dialoge à la George Lucas? Warum kann Chris Tolkien nicht lesen, feiert aber die ersten 100 Seiten vom „Astronauten“? Es geht um Exposition mit der Schinkenfaust, um Worldbuilding ohne Erklärbär und um gute Bücher, Alben und Weine als Acquired Taste. Und um Lost, bei dem es auf jede Antwort drei neue Fragen gab. Irgendwas braucht man eben, woran man sich festhalten kann.

Beide merken, dass sie gerade eher Lust auf Low Stakes haben: Soaps, Gilmore Girls, Ted Lasso und, Chris outet sich, And Just Like That. Breaking Bad dagegen war phänomenal und trotzdem zu viel.

Warum sind Bösewichte im Anime oft nachvollziehbarer? Die meisten Menschen halten sich für die Guten in ihrer eigenen Geschichte, sogar der Trickbetrüger. Von Sauron und Luzifer als gekränkten Wesen geht es zur Narbe, die im Westen den Schurken markiert und im Anime den Helden. Außerdem sprechen die beiden über Stephen Kings Outsider und Shrek als Diss auf Disney.

Mit dem Alter wächst auch der persönliche Raum. Alex erzählt von seinem alten Hund, von Radfahrern, die knapp vorbeiflitzen, und von einem Autofahrer, der beinahe über einen Hund gefahren wäre. Chris hat beim Motorradführerschein gelernt, dass es eigentlich kein Fremdverschulden gibt. Die wichtigste Frage im Verkehr lautet für ihn deshalb: Sieht der mich? Und falls nicht, kann ich noch reagieren?

Medien als Empathie-Maschinen, oder doch als Echokammer? Ein erschütternder Fall, in dem ein A/B-Test für Engagement Sicherheitsfilter abgeschaltet haben soll. Dazu Infinite Scrolling, Kokain aus der Apotheke und Arsen in Bonbons. Regeln entstehen meistens erst, wenn etwas schiefgegangen ist.

Ein Gespräch über Perspektivwechsel und darüber, dass Sicherheit erst entsteht, wenn alle Beteiligten dasselbe Ziel haben. Oder einfach: Schau hin, bevor du losfährst.

 

 

In der Folge erwähnt: